6. WER DIE METHODE ENTWICKELT UND BEGRÜNDET HAT.

ALFRED A. TOMATIS   (1920 – 2001)

Prof. Dr. med. Facharzt für
Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde

Der Pionier und Begründer der Methode Alfred A. Tomatis Dr. med. Facharzt für HNO – Professor für Psycholinguistik,  gilt als Wegbereiter der Audio-Psycho-Phonologie und der pränatalen Psychologie.  Er erforschte seit 1947 die Beziehungen zwischen Ohr und Stimme und nannte die Disziplin in den ersten Jahren Audio-Phonologie.  Er fand, dass die gemessenen Hörschwellen davon abhängen, ob jemand hören will oder nicht;  was auch bedeutet, dass die Hörschwellen von der Psyche der Person unbewusst beeinflusst werden. Tomatis stellte damals fest, dass die Intensität der in einer Stimme vorhandenen Obertöne der gemessenen Kurve der Hörschwellen entsprach.

Diese Erkenntnis wurde zum 1. TOMATIS – GESETZ:
‚DIE STIMME ENTHÄLT ALS OBERTÖNE NUR DIE FREQUENZEN,  DIE DAS OHR  HÖRT.‘

Bei der Behandlung von SängerInnen fand er immer wieder Entsprechungen zwischen den Problemen bzw. den Qualitäten ihrer Stimme und ihrer Hörweise. Nur wer in der Wahrnehmung der Töne zwischen 125 und 3000 Hz die hohen Frequenzen besser hört als die tiefen und somit einen ansteigenden Verlauf der Hörweise in diesem Frequenzbereich aufwies, verfügte über ein gut analysierendes Ohr d.h. ein musikalisches Ohr und wer so hörte, dessen Gesang war auch gut bis sehr gut.
Um den SängerInnen bei ihren Stimm-, Hörproblemen helfen zu können, entwickelte er einen Hörsimulator, ein später so genanntes elektronisches Ohr, mit dem sich über diverse Filter, Verstärker und Kanalwechsel die Hörweise und damit die Stimme korrigieren ließ.

Das Ergebnis dieser Versuche wurde zum 2. TOMATIS – GESETZ:
‚Gibt man dem Ohr die Möglichkeit, nicht mehr oder nicht gut wahrgenommene Frequenzen wieder korrekt zu hören, so treten diese augenblicklich und unbewusst in der Stimme wieder in Erscheinung.‘

DER TOMATIS – EFFEKT

Sang der Sänger danach ohne Kopfhörer weiter, so traten seine stimmlichen Probleme wieder auf. Es wurde nötig den Effekt, den das Gerät offensichtlich zeigte, durch eine technische Möglichkeit der Konditionierung dauerhaft zu machen. Die weiteren Konstruktionen führten zu einem von der Lautstärke abhängigen Wechsel von der IST- zur  SOLL-Hörweise mit Hilfe elektronischer Relais. Heute arbeitet der Hörsimulator nach Tomatis wie ein perfektes menschliches Ohr und vermittelt der Person wie sie optimal hören sollte und macht zugleich die entsprechende Konditionierung der Mittelohrmuskulatur möglich.

Diese Arbeiten führten zum 3. TOMATIS – GESETZ:

‚Die über eine bestimmte Zeitdauer wiederholte akustische Stimulation führt zu einer endgültigen Veränderung des Gehörs und folglich der Phonation.‘

Da die therapeutischen Wirkungen des Tomatis-Effekts über eine rein auditive Stimulation weit hinausgingen und sich auch die Motorik,  die Psyche, die Haltung verbesserten,  nannte er die neue Disziplin nun :  AUDIO – PSYCHO – PHONOLOGIE.

Die 3 Tomatis-Gesetze wurden bereits 1957 von der Akademie der Naturwissenschaften und Medizin in Paris anerkannt und dort hinterlegt.
Eine neue Methode zur Behandlung von motorischen, emotionalen, sprachlichen Entwicklungsstörungen war entdeckt worden.

Der Hörsimulator: ein ‚elektronisches Ohr‘ mit dem Tomatis-Effekt


Abb. Funktionsschema des Elektronischen Ohres

Es handelt sich um ein Trainingsgerät für optimales, menschliches Hören und Horchen. Der elektronische Hörsimulator besteht aus Verstärkern, Filtern und einer Umschaltung zwischen  Ist- und Soll-Kanal.  Drei Systeme greifen technisch ineinander.
FILTER – Durch die Art der Filtereinstellung lassen sich die Klänge der Musik oder der  Stimme so modifizieren, dass von der Person zu gut gehörte Frequenzen abgeschwächt, zu schlecht gehörte Frequenzen verstärkt werden können, d.h. z.B. zu steile oder zu flache Hörweisen können in Richtung einer optimalen Hörweise verändert werden.
BALANCE – zwischen rechten/linken Ohr – Damit das rechte Ohr seine steuernde, seine ‚Leit-Funktion‘ übernehmen kann, kann das Hören auf dem linken Ohr schrittweise reduziert werden.

Der  ELEKTRONISCHE KANALWECHSEL –  Die Muskeln des Mittelohres können dadurch gezielt trainiert werden, dass die Klangbotschaft abwechselnd durch den Ist-Kanal  (für Entspannung)  und den Soll-Kanal  (für Anspannung)  geht. Der fortlaufend elektronisch gesteuerte Kanalwechsel geschieht abhängig von der Lautstärke und automatisch,  wodurch die Muskeln von Steigbügel und von Trommelfellspanner im Wechsel entspannt und gespannt werden. Wie erst später festgestellt wurde, führt dies zu einer regelrechten Mikrogymnastik und dann zu einem bedingten Reflex  der so trainierten Muskeln des Mittelohres.  Im zeitlichen Verlauf kommen sie dadurch in die Lage die notwendige Regulierung der Schallübermittlung wieder selbst und wieder spontan vorzunehmen. Das Ohr hat  damit seine Fähigkeiten zur richtigen Analyse von Klangbotschaften wiedererlangt. – 3. Tomatis-Gesetz –

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